Senioren am Steuer: Vorurteile und die Realität der Zahlen
Verkehrssicherheit – Sind ältere Menschen wirklich die gefährlichsten Autofahrer?

Ihnen wird bisweilen vorgeworfen, zu langsam zu fahren, nicht schnell genug zu reagieren oder eine Gefahr im Straßenverkehr darzustellen. Wer sich jedoch die Statistiken zur Verkehrssicherheit ansieht, stellt fest: Die Wirklichkeit ist komplexer als die gängigen Vorurteile.
In Deutschland zeigen die vom Statistischen Bundesamt (Destatis) veröffentlichten Daten, dass Menschen ab 65 Jahren an Unfällen mit Personenschaden verhältnismäßig seltener beteiligt waren, als ihr Anteil an der Bevölkerung vermuten ließe. 2023 machten sie 15,2 % der an Verkehrsunfällen mit Verletzten Beteiligten aus, während ihr Anteil an der deutschen Bevölkerung bei 22,3 % lag.
Doch Vorsicht vor voreiligen Schlüssen: War ein Autofahrer ab 65 Jahren an einem Unfall mit Personenschaden beteiligt, wurde ihm in 68,1 % der Fälle die Hauptschuld zugewiesen. Bei Fahrern ab 75 Jahren lag dieser Anteil sogar bei 76,7 %. Diese Zahlen zeigen, dass Unfallhäufigkeit und Unfallverursachung zwei unterschiedliche Kennzahlen sind.
Auch junge Fahrer sind betroffen.
In Frankreich hebt die Bilanz 2024 der nationalen interministeriellen Beobachtungsstelle für Verkehrssicherheit (ONISR) insbesondere die Gefährdung junger Fahrer hervor. Die 18- bis 24-Jährigen weisen unter den genannten Altersgruppen die höchste Verkehrstotenrate auf – mit 97 Todesfällen pro Million Einwohner, vor den 75- bis 84-Jährigen und den Menschen ab 85 Jahren. (Quelle: Auto-école)
Diese Daten machen deutlich, dass es zu kurz greift, das Alter automatisch mit gefährlichem Fahrverhalten gleichzusetzen. Erfahrung, Geschwindigkeit, Aufmerksamkeit, Müdigkeit und Gesundheitszustand können allesamt eine Rolle für die Sicherheit am Steuer spielen.
Entscheidend: die Fähigkeiten beurteilen, nicht nur das Alter
Mit zunehmendem Alter können bestimmte Fähigkeiten nachlassen, etwa das Seh- und Hörvermögen oder die Reaktionsgeschwindigkeit. Diese Veränderungen fallen jedoch von Mensch zu Mensch sehr unterschiedlich aus. Umgekehrt ist Jugend weder eine Garantie für Vorsicht noch für einen souveränen Umgang mit Risiken.
Die Frage sollte daher anders gestellt werden: Statt eine Altersgruppe zu stigmatisieren – wie lassen sich alle Fahrerinnen und Fahrer besser begleiten, um die Sicherheit aller zu gewährleisten?
In einer grenzüberschreitenden Region wie dem Dreiländereck, in der Fahrten zwischen Frankreich, Deutschland und Luxemburg zum Alltag gehören, bleibt Vorsicht im Straßenverkehr eine gemeinsame Verantwortung.
Denn am Steuer ersetzen Vorurteile keine Statistiken – und das Alter allein reicht nicht aus, um einen Fahrer zu beurteilen.
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